April 2022 in Triesdorf
Tierwohltag zu den Nutztierarten Rind, Schwein und Geflügel 2022

Tierwohltag 2022 - vollbesetztes ReithausZoombild vorhanden

Tierwohltag 2022

Triesdorf und Tierwohl - ein Termin und alle Bereiche an einem Tisch

Schulleiter Friedrich Gronauer-Weddige eröffnete die Vortragsveranstaltung und machte deutlich, dass Tierwohl den Tierhaltern durchaus auch Chancen bietet und man offen für neue Wege sein müsse, um erfolgreich zu sein. Unter den Gästen waren unter anderem Otto Körner, Leiter der Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf, sowie Uwe Mohr, Leiter der Tierhaltungsschule Triesdorf, deren Besuch die gute Zusammenarbeit im tierischen Bereich zwischen den Triesdorfer Einrichtungen widerspiegelt.

Ethik und Tierwohl

Gil Thumann von der Tierärztlichen Hochschule Hannover referierte über Ethik im Kontext tierwohlorientierter Nutztierhaltung. Er machte deutlich, dass jeder Landwirt seinen Teil dazu beitragen kann, das Tierwohl auf den Betrieben zu verbessern. Ethik kann als Werkzeug zur Entscheidungsfindung genutzt werden und dazu beitragen, den Leuten die Tierhaltung wieder näherzubringen. Grundlage des durchgeführten Projektes soll eine fundierte angewandt ethische Erschließung der gegenwärtigen Diskussion um die Tierhaltung bilden, aus der zentral ein Handbuch entsteht.

ReferentZoombild vorhanden

Referent Siegfried Holzeder

Wie funktioniert es in Nachbarländern?
Siegfried Holzeder, Bauberater der Landwirtschaftskammer Oberösterreich, präsentierte den Kompostierungsstall als tiergerechtes Haltungssystem im Rinderbereich. Seine Kenntnisse und Empfehlungen zu diesem Haltungssystem sind in der Praxis sehr gefragt, berichtete der "Papst des Kompostierungsstalls". Die Vorteile des Kompostierungsstalls liegen insbesondere auf einem verbesserten Tierkomfort, hygienischen Liegeflächen, niedrigerem Keimdruck und höherer Milchleistung.
Allerdings weise der Kompostierungsstall auch Schwächen auf, wie konsequentes Lüftungsmanagement oder eine kostenintensive Einstreu. Aufgrund der Verfügbarkeit des Einstreumaterials ist der Kompostierungsstall, laut Holzeder, nur für rund 4 Prozent der Betriebe umsetzbar.
Was bedeutet das alles für die Landwirte?

Nach einer kurzen Mittagspause startete der Tierwohltag in die zweite Hälfte. Mirjam Lechner, Tiersignal-Trainerin von der Unabhängigen Erzeuger Gemeinschaft UEG Hohenlohe-Franken, fesselte die Gäste der Veranstaltung mit ihrem Vortrag "Zukunft Nutztierhaltung: Was brauchen wir, um unseren Job gut machen zu können?" Eine Frage, die sich sicherlich jeder Landwirt stellt. Zunächst müsse geklärt werden, was man denn eigentlich unter Tierwohl versteht. Neben dem Video mit herumtobenden Schweinen, welches Lechner als Beispiel für herrschendes Tierwohl abspielte, zählen die so genannten "Fünf Freiheiten" des Farm Animal Welfare Committee (FAWC) bereits seit 1979 als Definition des Tierwohls:

  • Freiheit von Hunger, Durst und Fehlernährung
  • Freiheit von Unbehagen
  • Freiheit von Schmerz, Verletzung und Krankheit
  • Freiheit von Angst und Leiden
  • Freiheit zum Ausleben normalen Verhaltens.

Anhand zahlreicher Bilder und Abbildungen verdeutlichte Lechner, dass es oft Kleinigkeiten sind, die den Erfolg der Tierhaltung ausmachen. Die Tiere anzusehen und deren Körpersprache zu deuten, sei der erste Schritt. Und dann könne es im Notfall auch mal eine Kontaktperson sein, die man anruft und auf deren Unterstützung man zählen kann.
Abschließend verteilte Lechner eine Fragensammlung, anhand der die Landwirte sich selbst reflektieren können, und machte deutlich, dass es oftmals besser ist, Dinge loszulassen, um die Zukunft mit beiden Händen greifen zu können.

Ein braunes Huhn auf Wiese
Tierwohl - nicht nur bei den großen Nutztierrassen
Den Abschluss der Veranstaltung bildete Dr. Anke Redantz, Hochschule Osnabrück, mit ihrem Vortrag "Tierwohl-Indikatoren bei Geflügel - Probleme und Chancen aufzeigen". Tierwohl-Indikatoren können sowohl tier-, ressourcen- und managementorientierte Indikatoren sein und sowohl einzeln als auch kombiniert betrachtet werden. Redantz erläuterte das Konzept der drei Dimensionen nach Fraser (Fraser, 2008) der die verschiedenen Aspekte von Tierwohl den übergeordneten Dimensionen Tiergesundheit, emotionaler Zustand und Ausführung natürlicher Verhaltensweisen zuordnet.

Auch Redantz nannte darüber hinaus die Fünf Freiheiten (FAWC, 1979) als Definition für Tierwohl und zeigte anschließend deutliche Merkmale für Tierwohl beim Geflügel auf. Neben der Bonitur des Gefieders liefert auch die Bonitur der Brustbeine wichtige Erkenntnisse zum Wohlergehen des Geflügels. Besonders am Herzen liegt Redantz das Sehvermögen des Vogels. Durch Nichtbeachtung der Unterschiede zum menschlichen Sehvermögen kann es in der Praxis zu starker Beeinträchtigung des Tierwohls kommen, zum Beispiel alleine aufgrund falsch gewählter Lampen in den Haltungseinrichtungen.

Fazit: eine gelungene Veranstaltung

Vielen Dank an die Referenten, die Schulleitung, das Netzwerk Fokus Tierwohl für die Organisation und an die beiden Tierwohlmultiplikatorinnen Vanessa Peter und Katharina Burgmayr, die maßgeblich zum Erfolg dieser Veranstaltung beigetragen haben, sagen die Lehrkräfte der Tierischen Erzeugung der Technikerschule für Landbau und Höheren Landbauschule Triesdorf, Carina Böhm, Hans Böll, Dr. Michaela Jedamski und Dr. Andrea Raab.